Irrgarten und Labyrinth

Europäische Gartenkunst in den Gärten der Welt

Das Projekt „Gärten der Welt“ zeigt bislang Beispiele der internationalen Gartenkunst aus dem Orient und den Ländern Asiens. Mit dem Ensemble aus Irrgarten und Labyrinth ist eine Anlage entstanden, die zu den ältesten Gestaltungselementen der europäischen Gartenkunst zählt.
Begriffsbestimmung 
Labyrinth und Irrgarten stellen zwei verwandte Kunstformen dar, die sich hinsichtlich der Wegeführung unterscheiden. 
Als Beitrag zur europäischen Gartenkunst in den „Gärten der Welt“ wurden beide Formen angelegt. Dem Irrgarten, bestehend aus übermannshohen Eibenhecken wurde ein gepflastertes Labyrinth gegenüber gestellt, nicht zuletzt, um allen Besuchern den Unterschied zwischen beiden Anlagen erfahrbar zu machen.

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Irrgarten und Labyrinth

Labyrinth
Im Labyrinth gibt es nur einen Weg, der zur Mitte und wieder heraus zum Eingang führt. Allerdings verläuft der Weg in vielen Windungen, so dass Geduld und Konzentration gefragt sind. Der Besucher muss nicht selbst den richtigen Weg finden. Er wird geführt und kann sich auf sich selbst und seinen „Lebensweg“ besinnen. Seine Gedanken können sich nach innen richten. Im klassischen Labyrinth waren es sieben Umgänge, die durchlaufen werden mussten, ehe man zur Mitte gelangte (Kretisches Labyrinth).

Im 12. und 13. Jahrhundert wurde diese Labyrinthform weiterentwickelt und in vielen bedeutenden Kathedralen als Bodenmosaik eingebaut. Zu den bekanntesten gehören die Labyrinthe in den Kathedralen von Chartres, Reims und Amiens.

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Irrgarten und Labyrinth

Irrgarten
Im Unterschied zum Labyrinth besitzt der Irrgarten ein komplexes Wegesystem mit Kreuzungen und Sackgassen. In das Zentrum gelangt man erst durch eigene Mühe. Zahlreiche Abzweigungen und im „Nichts“ endende Wege zwingen den Wanderer, sich ständig neu zu orientieren und zu entscheiden, um ans Ziel gelangen. Auch der Weg zurück zum Eingang bedarf einiger Anstrengungen. Hier ist also auch eine nach außen gerichtete Konzentration nötig.

Irrgarten und Labyrinth in den Gärten der Welt
Hecken-Irrgärten gibt es nachweislich seit der Renaissance. Der Irrgarten in den „Gärten der Welt“ hat die Anlage im Garten des britischen Königsschlosses Hampton Court zum Vorbild, die als einer der ältesten in Europa gilt und über die Jahrhunderte weitgehend unverändert erhalten blieb.

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Der Irrgarten besteht aus 1 225 immergrünen Eiben (Taxus baccata), die regelmäßig geschnitten werden müssen, um die geometrische Form der Gesamtanlage zu bewahren. Die Gehölze haben eine Höhe von 2 Metern und verhindern so den „Blick über den Gartenzaun“. 
Rund 750 m Hecke wurden für das fast 2 000 m² große Irrgartenareal gepflanzt. Die gepflasterten Wege gewährleisten ein sicheres Durchwandern der Anlage. Zwei große Steinblöcke aus Granit flankieren den Zugang zur Mitte. Neben dem Gingko-Baum steht ein blauer Aussichtsturm, von dessen Spitze ein Überblick über den Irrgarten und seine kunstvolle, geometrische Form möglich ist. Zu den berühmtesten Labyrinthen der Welt gehört das Bodenmosaik in der gotischen Kathedrale von Chartres, Frankreich, das als Vorbild für das Labyrinth in den „Gärten der Welt“ diente. Die Wege der 320 m² großen Anlage wurden in zwei Farbtönen gepflastert (grau und fast schwarz). Die hellen Steine markieren den Weg, dem der Besucher folgen muss. Nach 11 Umgängen, 28 Kehren und ca. 8-10 Minuten ist das Zentrum erreicht. Im Zentrum des Labyrinths befindet sich eine Vertiefung, in der sich das Regenwasser sammeln kann. 
Die glitzernde Wasserfläche wirkt dann wie ein „Spiegel des Himmels“.